Die Metro von Paris und ihre Metaphern

Posted by parisblogger | paris | Monday 22 August 2011 8:49 am

Besonders mit dem Ersten Weltkrieg kam im Westen eine kreative Ungläubigkeit in Bezug auf die Möglichkeiten der Epik auf, so wie sie bis dahin verstanden wurde. Es fehlten die großen Abenteuer der Menschen, die nicht einmal in der Idealisierung von kriegerischen Heldentaten oder legendären Schlachten wiederzufinden waren. Einerseits brachten die modernen Kriegs- und Massenzerstörungstechniken eine so umfassende Veränderung gegenüber der Vergangenheit mit sich, dass noch keine ästhetische Referenz geschaffen war, die jene Errungenschaften mit Enthusiasmus hätte erläutern können. Andererseits rief das Ergebnis, nämlich die Auslöschung von Millionen von Menschenleben und nahezu kompletten Generationen auf einem Schlachtfeld voller Schützengräben, wonach oft Jahre vergingen, ohne dass man sich auch nur einen Schritt vorwärts bewegte, unweigerlich das Gefühl hervor, dass der Fortschritt nicht unbedingt jene Kraft und strahlender Anreiz war, der zu einer neuen und harmonischen Gesellschaft führen würde. Viel wahrscheinlicher war das genaue Gegenteil, dass er nämlich die Menschheit in das schlimmste aller Debakel führen würde. Diese Überzeugung machte es immer schwieriger, in den zahllosen Narben jener nicht enden wollenden Felder aus Schlamm und Minen noch echtes Heldentum zu finden. Der wirkliche moderne Held musste an einem anderen Ort gefunden werden, und jener Ort war immer deutlicher im Abenteuer des modernen städtischen Lebens zu finden, welches schrittweise eine neue bewundernswerte Mythologie lieferte, die mit einer Welt voller Prüfungen und Arbeiten für die Männer und Frauen des alltäglichen Lebens aufwartete.

metro <b>paris</b> metaphern

In diesem Hinblick erscheint es jedoch auf eine gewisse Art und Weise paradox, dass in dem Werk Ulysses von Joyce, welches während des Ersten Weltkrieges entstand und Pionierarbeit des neuen Heldenepos der Streitkräfte war, das vielleicht wesentlichste und wichtigste Element der Topographie des neuen städtischen Abenteuers fehlte. In Dublin gibt es tatsächlich keine Metro (u.a. eine mächtige Metapher für das Unterbewusstsein und die Reise in den Hades), und so scheint es doch verlockend, sich vorzustellen, wie wohl der Einbezug der unterirdischen Wegstrecken die Erzählung verändert hätte.

Dabei ist zu beachten, dass wenn sich Paris im Westen, womöglich auf gleichem Niveau wie New York selbst, zu einer der unabdingbaren topographischen Referenzen der Geographie der Epik des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, dies auf die Aufmerksamkeit einer Großzahl von Künstlern und Schriftstellern der Moderne zurückzuführen ist, die jene der märchenhaften Unterwelt der Verkehrslinien der städtischen U-Bahnen gewidmet haben. Womöglich hatten hierbei auch frühere Werke einen positiven Einfluss: die ausgegrenzte gotische Welt des Pariser Stadtviertels Cour des Miracles des Glöckners von Notre Dame, das unterirdische Labyrinth des Phantoms der Oper, die Katakomben, das Werk von Alfred Jarry sowie anderer Väter der Pataphysik, sowie später des Surrealismus, welche die unter unseren Füßen durch Tunnel kreuzenden Züge als außergewöhnliche Monster zu interpretieren wussten. Tatsächlich ist die Pariser Metro einerseits durch den Film (Bresson, Godard, Luc Besson, Leo Carrax…) und die Literatur (einige der erinnerungswürdigsten Geschichten Cortázars spielen beispielsweise in der Metro) und andererseits durch die Kunst mit Eigenschaften behaftet, die sie den verzauberten Wäldern der Romane über das mittelalterliche Rittertum ähneln lässt.

 

 

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Im Innern der Pariser Metro verspürt man unmittelbar eine einzigartige Veränderung des Zeit- Raumgefühls, wie es für die U-Bahnen der ganzen Welt üblich ist, welche die Möglichkeiten der Welt zu erweitern scheint und uns neue Formen des Denkens, des Kontakte Knüpfens und Benehmens eröffnet. Erleben Sie es selbst, wenn Sie appartments in Paris mieten.

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Die Katakomben in Paris, eine unvergessliche Erfahrung

Posted by parisblogger | paris | Wednesday 6 May 2009 4:03 pm

Neben den zahlreichen Museen und wunderbaren Cafés, bietet Ihnen Paris viele kleine Mysterien: Wussten Sie schon, dass sich in der französischen Hauptstadt ein wahrhaftes Labyrinth in den Katakomben der Stadt der Liebe befindet? Wenn Sie den Da Vinci Code gelesen haben, dann werden Sie von diesem Besuch völlig begeistert sein!

Die Katakomben von Paris sind Teil der Folklore und der vielen Legenden. Sie gehören somit zum Ursprung der Stadt. In der Tat wurde Paris auf einer Schicht von Materialen erbaut, die zur späteren Konstruktion der Stadt dienten. Seit dem 14.Jahrhundert wurden zahlreiche Steinbrüche auf einer anarchistischen Art und Weise unter der französischen Hauptstadt ausgegraben. Jedoch wurde diese Ausbeutung der Steinbrüche Anfang des 19.Jahrhunderts verboten, da es dort zu vielen tragischen Unfällen kam. Nun fragt man sich also, was soll man mit diesen gewaltigen unterirdischen Raum anstellen?

Paris Catacombes

Bis Ende des 17.Jahrhunderts gab es innerhalb der Pariser Stadtmauern große Friedhöfe, von denen der berühmteste der Cimetière de Montmartre mit seinen großen Massengräbern ist. Der Gestank war damals so unerträglich, dass sich die Einwohner sehr stark beschwerten und die Gemeinde somit gezwungen war, eine adäquate Lösung zu finden.
Aus diesem Grund wurde entschieden, die Pariser Friedhöfe zu schließen und drei große Friedhöfe außerhalb der Stadt zu erbauen, wie z.B. der berühmte Père Lachaise. Die Knochen der alten Friedhöfe sollten des Weiteren in die alten Steinbrüche gebracht werden. Dieses Vorhaben dauerte mehr als 100 Jahre an, denn es wurden die Knochen von mehr als 6 Millionen Toten auf über 11.000 m2 in den Katakomben verteilt. Sie müssen dabei bedenken, dass es sich hierbei um mehr als die doppelte Anzahl der aktuellen Pariser Bevölkerung handelt!
Der Zugang zu den Katakomben befindet sich gleich neben der U-Bahn-Haltestelle Denfert Rochereau (die sich übrigens auf dem alten “Platz der Hölle” befindet) und ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Das städtische Ossarium hat eine Länge von 1,7km und befindet sich 20Meter unter der Erdoberfläche. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Teil der Katakomben, denn den Rest kann man nicht besichtigen.
Dunkle, feuchte Wege, nur 11ºC über das ganze Jahr verteilt, Knochen von alten und jungen Menschen, Schädel an beiden Seiten des engen Weges….Was für eine Erfahrung!! Seit der Erbauung dieser Katakomben interessierten sich immer mehr Menschen für dieses Spektakel. Im Jahre 1787 besuchte der zukünftige Karl X. von Frankreich in Begleitung einiger Hofdamen die Katakomben. Auch Franz I., der österreichische Kaiser besuchte die Katakomben im Jahre 1814. Napoléon III stieg mit seinem Sohn 1860 in die Unterwelten hinab. Im Jahre 1897 gaben 45 Mitglieder der Pariser Oper dort ein atemberaubendes Konzert.

Die Mauern der Katakomben sind bemalt mit zahlreichen Graffitis aus dem 18.Jahrhundert. Viele Autoren und Regisseure haben diesen mystischen Ort für ihre Werke benutzt, wie z.B. Victor Hugo in der Novelle Les Misérables oder Pierre Tchernia in dem französischen Film Les Gaspards.

Nach einigen Monaten Bauarbeiten wurden die Katakomben von Paris am 14.Juni 2005 wieder geöffnet. Die Beleuchtung wurde verbessert sowie das Gewölbe und die Knochenwände. Erschrecken Sie also nicht, wenn Sie beim Eingang die Zeilen von Delille lesen “Arrête, c’est ici l’emprise de la Mort » (« Stopp, hier beginnt der Tod »).

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