Die Metro von Paris und ihre Metaphern
Besonders mit dem Ersten Weltkrieg kam im Westen eine kreative Ungläubigkeit in Bezug auf die Möglichkeiten der Epik auf, so wie sie bis dahin verstanden wurde. Es fehlten die großen Abenteuer der Menschen, die nicht einmal in der Idealisierung von kriegerischen Heldentaten oder legendären Schlachten wiederzufinden waren. Einerseits brachten die modernen Kriegs- und Massenzerstörungstechniken eine so umfassende Veränderung gegenüber der Vergangenheit mit sich, dass noch keine ästhetische Referenz geschaffen war, die jene Errungenschaften mit Enthusiasmus hätte erläutern können. Andererseits rief das Ergebnis, nämlich die Auslöschung von Millionen von Menschenleben und nahezu kompletten Generationen auf einem Schlachtfeld voller Schützengräben, wonach oft Jahre vergingen, ohne dass man sich auch nur einen Schritt vorwärts bewegte, unweigerlich das Gefühl hervor, dass der Fortschritt nicht unbedingt jene Kraft und strahlender Anreiz war, der zu einer neuen und harmonischen Gesellschaft führen würde. Viel wahrscheinlicher war das genaue Gegenteil, dass er nämlich die Menschheit in das schlimmste aller Debakel führen würde. Diese Überzeugung machte es immer schwieriger, in den zahllosen Narben jener nicht enden wollenden Felder aus Schlamm und Minen noch echtes Heldentum zu finden. Der wirkliche moderne Held musste an einem anderen Ort gefunden werden, und jener Ort war immer deutlicher im Abenteuer des modernen städtischen Lebens zu finden, welches schrittweise eine neue bewundernswerte Mythologie lieferte, die mit einer Welt voller Prüfungen und Arbeiten für die Männer und Frauen des alltäglichen Lebens aufwartete.

In diesem Hinblick erscheint es jedoch auf eine gewisse Art und Weise paradox, dass in dem Werk Ulysses von Joyce, welches während des Ersten Weltkrieges entstand und Pionierarbeit des neuen Heldenepos der Streitkräfte war, das vielleicht wesentlichste und wichtigste Element der Topographie des neuen städtischen Abenteuers fehlte. In Dublin gibt es tatsächlich keine Metro (u.a. eine mächtige Metapher für das Unterbewusstsein und die Reise in den Hades), und so scheint es doch verlockend, sich vorzustellen, wie wohl der Einbezug der unterirdischen Wegstrecken die Erzählung verändert hätte.
Dabei ist zu beachten, dass wenn sich Paris im Westen, womöglich auf gleichem Niveau wie New York selbst, zu einer der unabdingbaren topographischen Referenzen der Geographie der Epik des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, dies auf die Aufmerksamkeit einer Großzahl von Künstlern und Schriftstellern der Moderne zurückzuführen ist, die jene der märchenhaften Unterwelt der Verkehrslinien der städtischen U-Bahnen gewidmet haben. Womöglich hatten hierbei auch frühere Werke einen positiven Einfluss: die ausgegrenzte gotische Welt des Pariser Stadtviertels Cour des Miracles des Glöckners von Notre Dame, das unterirdische Labyrinth des Phantoms der Oper, die Katakomben, das Werk von Alfred Jarry sowie anderer Väter der Pataphysik, sowie später des Surrealismus, welche die unter unseren Füßen durch Tunnel kreuzenden Züge als außergewöhnliche Monster zu interpretieren wussten. Tatsächlich ist die Pariser Metro einerseits durch den Film (Bresson, Godard, Luc Besson, Leo Carrax…) und die Literatur (einige der erinnerungswürdigsten Geschichten Cortázars spielen beispielsweise in der Metro) und andererseits durch die Kunst mit Eigenschaften behaftet, die sie den verzauberten Wäldern der Romane über das mittelalterliche Rittertum ähneln lässt.
Paul Oilzum
Im Innern der Pariser Metro verspürt man unmittelbar eine einzigartige Veränderung des Zeit- Raumgefühls, wie es für die U-Bahnen der ganzen Welt üblich ist, welche die Möglichkeiten der Welt zu erweitern scheint und uns neue Formen des Denkens, des Kontakte Knüpfens und Benehmens eröffnet. Erleben Sie es selbst, wenn Sie appartments in Paris mieten.
Übersetzt: Jule
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